Verfassungsschutz warnt vor Islamisten aus dem Nordkaukasus

Auch in Deutschland geraten Tschetschenen immer wieder in Zusammenhang mit Kriminalität und Terrorismus in die Schlagzeilen. Im August letzten Jahres verurteilte der Staatsschutzsenat des Hanseatischen Oberlandesgerichts Hamburg einen Tschetschenen aus Bremen zu einer mehrjährigen Haftstrafe, weil er für eine ausländische terroristische Vereinigung gekämpft hatte. Im November durchsuchten Ermittler die Wohnungen eines polizeibekannten Gefährders und seines Sohnes in Herford – wiederum Tschetschenen.

Im Dezember 2017 warnte der damalige Chef des Verfassungsschutzes Hans-Georg Maaßen in einem Interview mit der Deutschen Presseagentur vor einem „hohen Gefährdungspotenzial“, das von kampferprobten Islamisten aus dem Nordkaukasus ausgehe. Aktuell teilt das Bundesamt für Verfassungsschutz, BfV, auf Anfrage des Deutschlandfunks mit:

„Eine vergleichsweise hohe Anzahl der Nordkaukasier, die in der Diaspora leben, verfügt über Kampferfahrung und fällt durch eine Affinität zu Kampfsport und Waffen auf. Zwar ist Deutschland bislang nicht Ziel terroristischer Anschläge gewesen, dennoch stellt diese Personengruppe ein hohes Gefährdungspotenzial dar.“

„Das Gefährdungspotenzial wird als abstrakt hoch eingeschätzt“

Das BfV vermutet, dass in Deutschland rund 50.000 Flüchtlinge aus dem Nordkaukasus im Alter zwischen 20 und 50 Jahren leben. „Davon ist dem BfV eine mittlere dreistellige Personenanzahl als Islamisten bekannt. Nordkaukasier sind innerhalb der Diaspora gut vernetzt und leben nach außen eher abgeschottet.“

Eine „mittlere dreistellige Personenzahl“ – rund 500 Islamisten aus dem Nordkaukasus also. Ihre Schwerpunkte liegen laut Bundesverfassungsschutz in Berlin, Brandenburg und Nordrhein-Westfalen. Der Berliner Verfassungsschutz geht von rund 20 Anhängern der sogenannten „Islamistischen Nordkaukasischen Szene“ in der Bundeshauptstadt aus. Die Brandenburger Verfassungsschützer wiederum geben an, von rund 130 Islamisten in Brandenburg stamme knapp die Hälfte aus dem Nordkaukasus.

Die Behörde schreibt auf Anfrage des Deutschlandfunks: „Das Gefährdungspotenzial wird als abstrakt hoch eingeschätzt, denn charakteristisch für Nordkaukasier ist einerseits eine Orientierung an Klan-Strukturen, verbunden mit einer konsequenten Abschottung gegenüber andern Ethnien, auch der Aufnahmegesellschaft. Im Falle einer islamistischen Orientierung erschwert dies die Informationsgewinnung der Sicherheitsbehörden erheblich.“

Quellennachweiss: https://www.deutschlandfunk.de/tschetschenen-in-europa-gefaehrder-und-gefaehrdete.724.de.html?dram:article_id=438028